Fachkräftemangel – aber wer will schon einen unattraktiven Job?

Was sind die sieben häufigsten Fehler, die zum Fachkräftemangel führen bzw. die Mitarbeitende zur Kündigung veranlassen? – Mag. Alfred Löscher, WIFI-Trainer und CEO von „ALLO Management Services“, kennt die Hintergründe. Er hat auch die unterschiedlichen Generationen in Bezug auf
• ihre Ansprüche an Arbeitgeber,
• das Bild der Arbeitswelt,
• die Anforderungen an die Führung und
• ihre Erwartungen an die Arbeit
analysiert (Grafik siehe unten!).

Was läuft falsch in den Unternehmen und woran liegt der Fachkräftemangel insgesamt, Herr Mag. Löscher?

Erstens: Erfolge gehören dem/der Vorgesetzten

Die Beobachtung des Profis besagt, dass die Kündigung eines Facharbeiters fast immer auf Fehler der direkten Führungskraft zurückzuführen ist: „Menschen verlassen nicht ihr Unternehmen, sondern ihre Führungskraft.“ Ein absolutes No-Go, das aber immer wieder vorkommt: Die Führungskraft verbucht die Erfolge auf das eigene Konto und bei Fehlern hat der Mitarbeitende Schuld. Der Chef steht immer in der Sonne. Aber allzu lange wollen vor allem jüngere Fachkräfte nicht im Schatten bleiben … Sie kündigen.

Zweitens: Kein Lob

„Ich halte das für einen der entscheidenden Punkte“, erklärt der Experte. „Lob und Anerkennung müssen ausgesprochen werden!“ – „Nix g’schimpft ist gelobt genug“ war früher. Da hatten die Mitarbeitenden aber auch größten Respekt bis sogar Angst vor ihren Chefs. Und die Unternehmen hatten durch die Bank eine stark ausgeprägte, hierarchische Struktur. Heute müssen Führungskräfte zunehmend auf derselben Ebene agieren, wenn sie ihre Mitarbeiter halten und neue bekommen wollen.

Drittens: Es ist bereits entschieden!

Mitarbeiter stellen in konkreten Situationen die Frage nach dem Warum – und die Antwort lautet: Weil ich der Chef bin. Das funktioniert heute nicht mehr. Wer seine Leute nicht in die Entscheidungen einbindet und ihnen den Sinn bzw. die Ziele dahinter erklärt, dem werden die Fachkräfte früher oder später davonlaufen. Das beginnt schon bei den Lehrlingen: „Mach das einfach“, hat ausgedient. Als  Vorgesetzte/r muss sich mit den (jungen) Leuten beschäftigen und erklären, erklären, erklären …

Viertens: Zusagen nicht einhalten

Wie fühlt sich jemand, dem beim Mitarbeitergespräch eine verdiente Beförderung, Weiterbildung oder mehr Geld versprochen wurde – und dann passiert nichts! Im Gegenteil: Jemand von den Kollegen, der lauter „schreit“, bekommt die gewünschte Stelle. „Es ist zwar ein Klischee, dass jemand, der mehr Druck macht, eher bedient wird, kommt aber durchaus vor“, so Mag. Löscher. – Wie lange wird die übergangene Fachkraft diese Situation wohl tolerieren?

Fünftens: Unterschiedliche Werte

„Ich hab’s durchmachen müssen – und jetzt seid halt ihr dran!“ – Solche Sätze von älteren Führungskräften oder Chefs kommen bei den Jüngeren gar nicht gut an. Da brechen Wertediskrepanzen auf, die sich gewaschen haben. Auch ein mit Teflon beschichteter Chef, von dem alles Emotionale abperlt, wird selten akzeptiert. Es braucht  Begegnungen auf Augenhöhe, von Mensch zu Mensch. Und ein Führungs-Leitbild, das der Zeit entspricht.

Sechstens: Tolle Stellenbeschreibung – und dann? 

Man freut sich auf einen Job als Führungskraft, mit spannenden Aufgaben und eigenem Budget. Das wurde in der Stellenausschreibung und auch beim Bewerbungsgespräch bestätigt. Und dann wird man auf einen Job in der Administration „verräumt“, ist falsch- oder überqualifiziert und erreicht keine Arbeitszufriedenheit. Oft liegt das auch an der mangelnden Kommunikation zwischen den Abteilungen und den HR-Verantwortlichen. Auf jeden Fall ist das aber nicht fair und führt wahrscheinlich zu einem baldigen Stellenwechsel …

Siebentens: Der Wechsel ist reizvoll

Nicht immer liegt das Problem im Unternehmen – die Bereitschaft zu wechseln ist generell größer und die Hemmschwelle zu kündigen niedriger geworden. „Manche Fachkräfte kann man auch bei extrem proaktiver Mitarbeiterorientierung nicht aufhalten“, weiß Mag. Löscher aus Erfahrung. „Ich erlebe immer wieder, dass Arbeitsplätze wegen zehn Minuten weniger Anfahrtszeit gewechselt werden. Da ist die jüngere Generation sehr pragmatisch, man fühlt sich einem Unternehmen auch nicht mehr so zugehörig wie früher.“

Reden wir bitte auch über Einstellung und mangelnde Qualifizierung!

Mag. Alfred Löscher spricht hier die Einstellung junger Leute in Bezug auf Leistung und Erfolg und ihre erworbenen Fähigkeiten an. Beides scheint oft nicht mehr anschlussfähig an die Arbeitswelt zu sein – ein Wertewandel ist für ihn offensichtlich: „Wenn man früher aus der Schule heimgekommen ist und den Eltern erzählte, dass der Lehrer geschimpft hat, meinten die: Der wird schon Recht haben, streng dich mehr an! – Heute bestärken Eltern ihre Kinder und gehen mitunter sogar gegen den Lehrer vor…“. Und war es früher schlimm, einen Fünfer im Zeugnis zu haben, ist das heute eventuell sogar schon cool. Kinder werden so vielleicht selbstbewusster und eigenständiger, gesucht wird von Unternehmen jedoch nach wie vor Höflichkeit und Engagement und das solide Beherrschen der Grundrechnungsarten bzw. der Rechtschreibung. Viele Unternehmen reagieren darauf mit eigenen Schulungsprogrammen für ihre Jugendlichen, damit im ersten Lehrjahr etwaige Defizite aufgeholt werden können.

Außerdem: Höhere Ausbildungen sind attraktiver

Die Eltern haben sich hochgearbeitet und sind stolz darauf, dass der Nachwuchs ein Gymnasium besucht. „Höhere Ausbildungen gelten als gesellschaftlich attraktiver – wirtschaftlich sind sie das in vielen Fällen aber wohl oft nicht“, meint der Unternehmensberater. Im Vergleich zu Facharbeitern verdienen Akademiker nämlich nicht allzu gut. In vielen Köpfen steckt aber noch das alte Bild vom Facharbeiter in der blauen Montur mit den schmutzigen Fingernägeln. Dabei stimmt das Bild, das die Eltern haben, überhaupt nicht mehr!

Viele Gehaltsschemen sind von vorgestern!

Viele Branchen und Betriebe haben Gehaltsschemen, die junge Leute zurücksetzen. Finanziell belohnt wird man erst nach zehn oder mehr Jahren, aber vor allem junge Menschen brauchen Geld. Das Motto „Arbeite jetzt, verdiene später“ ist für junge Menschen nicht mehr attraktiv genug. Wenn jemand fünf Jahre im Unternehmen ist, muss man davon ausgehen, dass er seinen Arbeits-Lebens-Mittelpunkt gefunden hat. Aber wie soll man sich mit einem Einstiegsgehalt einen Hausbau oder Wohnungskauf finanzieren? Auch so kann ein Job unattraktiv werden.

Aber wer will schon einen unattraktiven Job?  

Damit Ihr Unternehmen weiß, wie man Fachkräfte bekommt und hält, empfehlen wir gerne die Human Resources Ausbildungen am WIFI Steiermark:

Fotos: KK, © Fotolia / JackF

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