Wozu brauche ich das später eigentlich?“ – Fast jeder hat sich das wohl einmal in seiner Schullaufbahn gefragt, sei es im Mathematik-, Physik- oder Deutsch-Unterricht. Dabei hat gerade die Art, wie wir argumentieren und uns mit Themen auseinandersetzen, großen Einfluss darauf, wie wir unterschiedliche Textsorten betrachten und verfassen.

Die Zentralmatura hat 2015 die heimische Bildungslandschaft nachhaltig verändert. Seitdem legen MaturantInnen in ganz Österreich zeitgleich eine identische schriftliche Maturaprüfung ab – auch BerufsmaturantInnen und Lehrlinge, die ihre Ausbildung in Kombination zum Beispiel am WIFI Steiermark absolvieren. Diese zentral abgehaltene Matura hat vor allem den Vorteil, dass sie stark kompetenz- und praxisorientiert ist. Sie behandelt verschiedenen Textsorten, die auch im Alltag und im Berufsleben Anwendung finden.

Textsorten bei der Matura

  • Zusammenfassung
    Eine Zusammenfassung holt aus mehreren Sachtexten die wesentlichen Punkte heraus und gibt sie wieder.
  • Textanalyse
    Betrifft nicht-literarische Texte, z.B. Essay, Rede…; in einer Analyse werden Inhalt, Form und Stilmittel eines Textes beurteilt und welchen Zweck sie erfüllen.
  • Textinterpretation
    Betrifft literarische Texte; die Textinterpretation untersucht Form und Inhalt literarischer Werke und erschließt deren Bedeutung.
  • Erörterung
    Erörterungen suchen Antworten auf wichtige Fragen, indem Behauptungen gegenübergestellt und bestimmte Sachverhalte miteinander verglichen werden.
  • Leserbrief
    Ein Leserbrief wird normalerweise in einem Medium veröffentlicht (z.B. Zeitung) und ist eine Meinungswiedergabe zu einem Thema, die zustimmend oder ablehnend sein kann.
  • Offener Brief
    Offene Briefe werden in bestimmten Situationen verfasst, in denen man stellvertretend z.B. für einen Verein, eine Belegschaft, eine Schule oder eine Gruppe spricht und deren Interessen vertritt.
  • Empfehlung
    Situationsbezogenes „Gutachten“; hierfür schlüpft man quasi in eine „Rolle“, zum Beispiel in die Rolle eines Experten, und wendet sich an Entscheidungsträger.
  • Kommentar
    Journalistisch, kurz und pointiert; diese Textsorte wird vor allem von Journalisten genutzt, um die eigene Meinung zu veröffentlichen und die Meinung anderer zu bilden.
  • Appellative Rede
    Diese Art der Rede wird in einer festgelegten Situation vor einem Publikum zu einem bestimmten Sinn und Zweck vorgetragen, meistens um die Entscheidungen anderer zu beeinflussen.

Ab 2020 entfallen zwar der „offene Brief“ und die „Empfehlung“, dennoch bleiben die in der Matura verwendeten Textsorten ein wichtiges Element, um das Argumentieren und die kritische Auseinandersetzung mit verschiedensten Themen zu erlernen.

Alltagsthemen neu diskutieren

Beate Frakele unterrichtet am WIFI Steiermark das Maturafach Deutsch und ist sich sicher: „Das ist etwas, was man im Leben immer ‚brauchen‘ kann. Darum versuchen wir, unseren MaturantInnen mit lebensnahen und vor allem dem Alter entsprechenden Themen nicht nur beizubringen, wie man etwas schreibt – das lernt man schnell –, sondern vor allem, wie man sich mit strittigen Fragen auseinandersetzt, argumentiert und diskutiert.“

Es geht also eher um das Nachdenken über bestimmte Themen und darum, seine eigene Position dazu zu hinterfragen und zu verteidigen, als nur um die Textsorte an sich und wie sie aufgebaut ist. Denn: Es gibt keine Textsorte, bei der man das Argumentieren nicht braucht. Schreibt man einen Leserbrief zu einem Thema, ist es genauso wichtig, seine Meinung mit Argumenten zu untermauern, wie wenn man eine Rede an ein Publikum richtet oder einen Text analysiert und Stellung zu dessen möglicher Bedeutung bezieht.

Im Maturafach Deutsch sind daher die Themenschwerpunkte sehr breit und aktuell aufgestellt – von Ernährung über Sport und Freizeit, Umwelt und Technik, Beruf und Ausbildung bis hin zu Wirtschaft, Digitalisierung oder Geschlechtergerechtigkeit. Zu jedem Themenblock kann nahezu jede Textsorte herangezogen werden, um den eigenen Blickwinkel darzustellen und andere dazu zu bringen, ihren eigenen zu hinterfragen. Praxisbeispiele, die von den Trainerinnen und Trainern in den Vorbereitungskursen eingebracht werden, regen zusätzlich zu Diskussionen untereinander an.

Analyse und Argumente

Die Deutsch-Zentralmatura besteht aus drei Themenpaketen mit jeweils zwei Aufgaben. Das erste Paket ist immer ein literarisches – es behandelt also Kunst, Kultur und Literatur. Dem liegt als Textsorte die Textinterpretation zugrunde, da sich diese immer mit einem literarischen Text befasst. Da dieses Themenpaket bei der Berufsreifeprüfung relativ selten gewählt wird, behandeln die anderen allgemeinere und aktuellere Schwerpunkte mit unterschiedlichsten Textsorten und Beilagen, die die Basis für die Argumentation bilden (z.B. ein Zeitungsartikel).

„Ein Schüler hat mich einmal direkt gefragt: Brauche ich das im Leben wirklich einmal?“, erzählt Beate Frakele und hat auch direkt eine Antwort parat: „Ja, natürlich. Denn es geht nicht um oberflächliches Lernen, sondern darum, ob ich bereit bin, mich mit einer vielleicht neuen Thematik auseinanderzusetzen. Kritisch zu sein und zu lernen, seine Meinung durch sachliche Argumente zu untermauern, das ist das Essentielle an den verschiedenen Textsorten.“

Textsorten wie Leserbriefe oder offene Briefe sind etwas, was jede/n im Alltag betreffen kann, wenn man seine Meinung öffentlich kundtun will. Auch die Empfehlung, eine Rede oder ein Kommentar sind im Berufsalltag durchaus praktisch anwendbare Textarten. Sie folgen einem bestimmten Schema, leben aber vor allem von ihrer inhaltlichen Ausformung. Eigene Vorschläge und Lösungen präsentieren zu können ist dabei das A und O.

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Foto: Adobe stock – eugenepartyzan

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