Als Laie steht man oft ziemlich ratlos vor dem riesigen Weinregal im Supermarkt. Woran erkennt man einen „guten Wein“, bei all den verschiedenen Jahrgängen und Sorten? Erste Informationen liefert uns das Etikett auf der Weinflasche. Aber wer legt diese fest – und wie hilft das mir als Konsument?

Das Weinetikett ist ein Kapitel für sich: Denn obwohl man auf den ersten Blick glauben könnte, dass die Beschriftung auf den Flaschen willkürlich von Weinbauer oder Abfüller festgelegt werden kann, folgt sie einer strengen Reglementierung. Seit 2010 gilt innerhalb der Europäischen Union eine einheitliche Beschriftung für Weinflaschen unter 60 L Volumen. Sie erleichtert es den Konsumenten, sich innerhalb der Vielfalt an Weinen zurechtzufinden – und gibt ihm die Sicherheit, dass Herkunft, Qualität und Inhalt auch dem entsprechen, was draufsteht.

Das Etikett im Detail

Das Weinetikett an sich besteht meist aus zwei Etiketten (Vorder- und Rücketikett). Das Hauptetikett ist jenes, auf dem alle verpflichtenden Angaben angebracht sind. Das muss nicht zwingend das Vorderetikett sein. Meistens wird das Etikett, das man auf den ersten Blick im Regal sieht, zur freien Gestaltung genutzt, während das Rücketikett alle relevanten Informationen enthält. Wichtig ist, dass sie im Sichtfeld des Käufers angebracht sind und sofort erfasst werden können, sobald man die Flasche in der Hand hält. Man unterscheidet hier zwischen verpflichtenden, möglichen zusätzlichen und verbotenen Angaben.

Verpflichtende Angaben sind jene, mit denen sich der Wein und seine Herkunft problemlos identifizieren lassen. Sie müssen auf jeder Flasche zu lesen sein – teilweise sind sogar die Schriftgrößen vorgeschrieben. Verpflichtend sind u.a.:

  • Die Verkehrsbezeichnung „Wein“
  • Das Nennvolumen der Flasche
  • Der Produzent bzw. Abfüller
  • Der Alkoholgehalt
  • Die Qualitätsstufe (z.B. Wein, Qualitätswein, Prädikate wie Spätlese, Beerenauslese u.ä.)
  • Die geografische Herkunft (bei Qualitätsweinen oder DAC in jedem Fall verpflichtend)
  • Die Losnummer (ermöglicht die eindeutige Identifizierung des Weins)
  • Die Hinweise „Enthält Sulfite“ und „Enthält tierisches Eiweiß“ (wenn als Schönungsmittel verwendet)

Diese Angaben am Weinetikett variieren, je nachdem, um welche Art von Wein es sich handelt. Qualitätsweine mit eindeutiger geografischer Herkunft unterliegen genaueren Etikettierbestimmungen als „gewöhnliche“ Weine. Darüber hinaus sind Angaben wie der Jahrgang oder die Rebsorte nicht verpflichtend, aber möglich – vorausgesetzt, sie wurden vorher zugelassen. Verboten sind selbstverständlich alle irreführenden Bezeichnungen, aber zum Beispiel auch Hinweise auf gesundheitsbezogene Wirkungen.

Das bedeutet für den Otto-Normal-Weintrinker: Was draufsteht, ist auch drinnen. Wenn sich ein Wein als „Weinviertel DAC“ bezeichnet, kann man sich darauf verlassen, dass in dieser Flasche ein „Grüner Veltliner“ steckt, dessen Herkunft und Qualität geschützt sind. Ebenso verhält es sich zum Beispiel mit einem italienischen „Chianti DOP“ oder „Chianti DOCG“ – auch diese Bezeichnungen sind zertifiziert.

International geregelt

Innerhalb der EU sind diese Angaben also per Gesetz definiert. Aber wie sieht es in anderen Ländern mit Weinkultur aus – zum Beispiel im berühmten Napa Valley in Kalifornien? Die Bestimmungen sind ähnlich wie in Europa, auch wenn die geografische Herkunft eines Weins erst in den letzten Jahrzehnten wirkliche Bedeutung erlangt hat. Aber auch hier sind bestimmte Informationen auf dem Etikett verpflichtend – zum Beispiel der Name des Erzeugers, Qualitätshinweise, Appellation, Weinsorte und Jahrgang. Auf US-amerikanischem Wein muss zusätzlich ein Gefahrenhinweis („government warning“) auf mögliche Schäden durch Alkoholgenuss enthalten sein, denn anders als in Europa zählt Wein in den USA nicht zu den Lebensmitteln, sondern zu den alkoholischen Getränken.

Beim Einkauf bietet das Weinetikett eine sehr gute Orientierung.

Das Weinetikett als Orientierung im Weinregal

Natürlich ist ein schönes und einheitliches Weinetikett nicht gleich eine Garantie dafür, dass der Wein in der Flasche auch schmeckt. Die Angaben auf den Etiketten geben dem Weingenießer aber Sicherheit und sind eine Orientierungshilfe, um einen für sich passenden Wein zu wählen. Für den Winzer hat das einheitliche Etikett den Vorteil, dass Wettbewerbsverschleierung praktisch nicht möglich ist. Wer sich dennoch nicht sicher bei der Auswahl des Weins ist, wendet sich am besten an einen Weinfachhändler oder ausgebildeten Sommelier – oder bildet sich im Privaten in Sachen Wein weiter. Denn die Weinwelt ist riesig und bietet viel zu entdecken – und manchmal reicht es bereits, im Weinregal zu etwas anderem als „dem Üblichen“ zu greifen.

Auf den Weingeschmack gekommen?

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Fotos: Adobe Stock – Minerva – Industrieblick

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